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Design Thinking

  • 6. Sept. 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Dez. 2025

Mit kreativer Problemlösung zu echten Innovationen



In einer Welt, die sich durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (VUKA) auszeichnet, stoßen klassische, lineare Problemlösungsmethoden immer häufiger an ihre Grenzen. Wo früher starre Business-Pläne funktionierten, braucht es heute Agilität und eine radikale Hinwendung zum Menschen.


Genau hier setzt Design Thinking an: Eine strukturierte Innovationsmethode, die Kreativität nicht dem Zufall überlässt, sondern sie in einen Prozess gießt, der die Nutzer:innen konsequent in den Mittelpunkt stellt.


Design Thinking ist heute weit mehr als ein Trendbegriff aus der Kreativszene – es ist eine strategische Antwort auf die Frage, wie Unternehmen in einer digitalisierten und hochgradig kundenorientierten Welt langfristig wettbewerbsfähig und relevant bleiben.


In diesem Beitrag erfährst du:



Was ist Design Thinking?


Design Thinking wird oft auf bunte Klebezettel reduziert, doch dahinter verbirgt sich ein tiefgreifendes Mindset. Es ist eine Philosophie der Problemlösung, die Empathie für die Bedürfnisse der Nutzer:innen mit technologischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit kombiniert. Anders als traditionelle Ansätze, die oft technikgetrieben („Was können wir bauen?“) oder rein marktgetrieben („Was lässt sich verkaufen?“) sind, beginnt Design Thinking beim Menschen („Was wird wirklich gebraucht?“).

Kurz gesagt: Design Thinking bedeutet absolute Customer Centricity.


Ein wesentliches Merkmal ist das iterative Vorgehen. In klassischen Projekten wird oft monatlich geplant und erst am Ende präsentiert. Im Design Thinking arbeiten wir in kurzen Zyklen. Wir gehen Schritt für Schritt vor, springen aber jederzeit mutig zurück, wenn Tests zeigen, dass wir eine falsche Annahme getroffen haben. Dieser Kreislauf aus Verstehen, Ausprobieren und schnellem Scheitern (um daraus zu lernen) macht den Prozess extrem risikoarm und flexibel. Es geht darum, „das Richtige zu bauen“, bevor man „es richtig baut“.


Design Thinking ist zugleich Methode und Denkansatz. Es kombiniert Herangehensweisen aus dem Design und der Ethnografie. Die zentralen Elemente für eine erfolgreiche Anwendung des Ansatzes sind multidisziplinäre Teams, der sechsstufige Design Thinking-Prozess sowie das Schaffen flexibler Räume.


Die Geschichte des Design Thinking: Von akademischer Forschung zur Management-Revolution


Die Wurzeln des Design Thinkings liegen in den 1960er-Jahren an der Stanford University. Ingenieure und Designer suchten nach Wegen, die intuitiven Arbeitsschritte von Architekten und Produktdesignern für andere Disziplinen nutzbar zu machen. Pioniere wie Terry Winograd und Larry Leifer legten den Grundstein, doch erst David Kelley, Gründer der legendären Innovationsagentur IDEO, machte den Ansatz massentauglich.


In Deutschland verdanken wir die Verbreitung vor allem Hasso Plattner. Der SAP-Mitbegründer erkannte das Potenzial früh und stiftete die d.school am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. Heute ist Design Thinking kein Nischenthema mehr. Es hat die Art und Weise verändert, wie moderne Organisationen – von Start-ups bis hin zu DAX-Konzernen – über Produktentwicklung, interne Prozesse und sogar soziale Herausforderungen nachdenken. Es ist die Demokratisierung des Designs für Nicht-Designer.


Warum Design Thinking so wirkungsvoll ist


  • Nutzerzentriert: Statt Lösungen am Reißbrett zu entwickeln, gehst du direkt zu den Menschen, für die du etwas baust.

  • Kreativ & strukturiert: Design Thinking verbindet kreative Methoden mit einem klaren Prozess.

  • Schnell & iterativ: Prototypen und Tests liefern schnell Feedback.

  • Teamorientiert: Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Ideen.


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Der Design Thinking Prozess: 6 Phasen zur Innovation


Der Prozess ist bewusst zweigeteilt: Zuerst explorieren wir den Problemraum, um sicherzustellen, dass wir das richtige Problem lösen. Erst danach betreten wir den Lösungsraum.


1. Verstehen (Understand)

In dieser Phase definieren wir den Rahmen. Wir hinterfragen das ursprüngliche Briefing radikal. Oft stellt sich heraus, dass das vom Kunden genannte Problem nur ein Symptom ist. Wir sammeln Expertenwissen und klären die Rahmenbedingungen ab.


2. Beobachten (Observe)

Hier verlassen wir das Büro. Wir führen Tiefeninterviews, beobachten Nutzer in ihrer natürlichen Umgebung (Ethnografie) und versuchen, latente Bedürfnisse zu entdecken – also Dinge, die Nutzer selbst oft gar nicht artikulieren können.


3. Definieren (Define / Point of View)

Wir führen die Goldnuggets aus den Beobachtungen zusammen. Wir erstellen die Persona und formulieren die zentrale „How might we...“-Frage. Diese Frage muss spezifisch genug sein, um Richtung zu geben, aber offen genug, um Kreativität zuzulassen.


4. Ideen entwickeln (Ideate)

Nun öffnen wir die Schleusen. Mit Techniken wie Brainstorming, Analogien-Bildung oder der 6-3-5-Methode generieren wir hunderte Ideen. In dieser Phase ist Kritik verboten; es geht rein um Quantität und das Kombinieren von Ansätzen („Yes, and...“-Mentalität).


5. Prototyping (Prototype)

Hier wird die Theorie physisch. Wir bauen „Low-Fidelity“-Prototypen aus Papier, Pappe, Lego oder nutzen digitale Wireframes. Ein Prototyp ist kein fertiges Produkt, sondern ein Kommunikationsmittel, um eine Idee für andere erlebbar zu machen.


6. Testen (Test)

Der wichtigste Schritt: Wir lassen echte Nutzer mit dem Prototyp interagieren. Wir hören zu und schauen zu, ohne unsere Idee zu verteidigen. Das Feedback führt uns oft zurück in Phase 2 oder 3 – und genau das spart am Ende Zeit und Geld.



Design Thinking in 6 Phasen: Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen generieren, Prototypen entwickeln, Testen.
Design Thinking in 6 Phasen (eigene Darstellung).

Die Persona: Das Herzstück der radikalen Empathie


Im Design Thinking planen wir niemals für eine anonyme Masse oder eine abstrakte Zielgruppe wie „Männer zwischen 20 und 40 mit hohem Einkommen“. Solche Daten liefern keine Hinweise auf echte Bedürfnisse. Stattdessen nutzen wir das Werkzeug der Persona. Eine Persona ist ein fiktiver, aber datenbasierter Charakter, der stellvertretend für eine Nutzergruppe steht.


Warum die Persona der Schlüssel zum Erfolg ist:


  • Vermeidung des „Self-Referential Designs“: Teams neigen dazu, Lösungen für sich selbst zu bauen. Die Persona zwingt uns, aus unserer eigenen Blase auszubrechen.

  • Emotionale Bindung: Es ist einfacher, Empathie für „Markus, den überforderten Projektleiter“ zu entwickeln als für „Nutzergruppe B“.

  • Entscheidungshilfe: In hitzigen Diskussionen ist die wichtigste Frage nicht „Was gefällt dem Chef?“, sondern „Hilft das unserer Persona Sabine bei ihrem Problem?“. Eine gute Persona enthält nicht nur demografische Daten, sondern vor allem psychografische Details: Was motiviert diese Person? Vor welchen Hindernissen hat sie Angst? Was ist ihr „Job to be done“?


Praxisrelevanz: Warum Weltmarktführer auf Design Thinking setzen


Design Thinking ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein knallhartes Business-Tool. Hier sind prominente Beispiele für den messbaren Impact:


  • Airbnb: Als das Unternehmen kurz vor dem Aus stand, nutzten die Gründer Design Thinking, um zu verstehen, warum Buchungen ausblieben. Sie erkannten, dass minderwertige Fotos das Vertrauen verhinderten. Durch den radikalen Fokus auf das Nutzererlebnis vor Ort (und professionelle Fotografie) retteten sie das Unternehmen.

  • Siemens Healthineers: Bei der Entwicklung von MRT-Geräten für Kinder nutzte man Beobachtungen, um die Angst der kleinen Patienten zu verstehen. Das Ergebnis waren Geräte im „Piratenschiff-Design“, die die Sedierungsrate massiv senkten und den Prozess für alle Beteiligten verbesserten.

  • Oral-B (IDEO): Bei der Entwicklung einer neuen elektrischen Zahnbürste stellte man fest, dass Kinder die Bürste nicht mit den Fingern, sondern mit der ganzen Faust greifen. Erst diese Beobachtung führte zu dem heute Standard gewordenen dicken Griff, der den Markt revolutionierte.

  • Deutsche Bank: Mit Design Thinking wurde die Bankfiliale der Zukunft neu gedacht. Weg von sterilen Schaltern hin zu Orten der Begegnung, die auf die veränderten digitalen Gewohnheiten der Kunden einzahlen.


Implementierung: Was braucht dein Team für den Erfolg?


Design Thinking lässt sich nicht einfach „verordnen“, es muss gelebt werden. Die drei kritischen Erfolgsfaktoren sind:


  1. Interdisziplinäre Teams: Innovation entsteht an den Schnittstellen. Mische Hierarchien, Fachbereiche und Persönlichkeitstypen.

  2. Variabler Raum: Kreativität braucht Bewegung. Stehtische, beschreibbare Wände und eine Umgebung, die zum Basteln einlädt, sind essenziell, um aus dem Alltagsmodus auszubrechen.

  3. Fehlerkultur: Wer keine Fehler machen darf, wird niemals innovieren. Design Thinking braucht das psychologisch sichere Umfeld, in dem „Scheitern“ als notwendiger Erkenntnisgewinn gefeiert wird.



Fazit: Design Thinking als Kompass in der VUKA Welt


Design Thinking ist kein Allheilmittel, aber es ist der beste Kompass, den wir derzeit haben, um in unsicheren Märkten den Fokus auf das Wesentliche zu behalten: den Menschen. Wer versteht, wie man Empathie methodisch nutzt und Ideen schnell testet, minimiert das Risiko von teuren Fehlentwicklungen und schafft Lösungen, die wirklich begeistern.


Innovation ist kein genialer Geistesblitz, der über Nacht kommt – sie ist das Ergebnis eines strukturierten, empathischen Prozesses.


Bist du bereit, deine Probleme einmal ganz anders anzugehen? Lass uns gemeinsam schauen, wie diese Methode deine strategische Planung und Problemlösung auf das nächste Level hebt. Ich freue mich darauf, dich bei deinen nächsten Schritten zu begleiten!





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