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Was New Work ist und sein kann.

Aktualisiert: 18. Nov. 2023

New Work - schöne neue Arbeitswelt?!




Wussten Sie, dass der Begriff „New Work“ und die dahinterliegende grundsätzliche Idee bereits fast 50 Jahre alt sind? Mit dieser Information könnte man das „New“ in „New Work“ anzweifeln, aber Fakt ist: Es ist heute aktueller denn je. Denn wir beginnen gerade erst, die Voraussetzungen, Infrastruktur und auch das Mindset für die utopischen Ideen, die Sozialphilosoph Prof. Dr. Frithjof Bergmann Ende der 70er Jahre ausformulierte, zu entwickeln.


New Work ist also auch insofern neu, als dass einige grundsätzliche Aspekte endlich aktiv gelebt werden und in Unternehmen zum Einsatz kommen. Was wir genau unter dem Begriff verstehen, wie New Work auch in Ihrem Unternehmen gelingt und was das Konzept mit dem Thema Führung verbindet, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.



Was ist eigentlich "New Work"?


„Wir müssen Arbeit neu denken. Der Gedanke der reinen Lohnarbeit, wie wir sie bisher kannten, entspricht dem veralteten Verständnis der Industriegesellschaft. Aufgrund von fortschreitenden Automatisierungsprozessen in sämtlichen Wirtschaftsbereichen und dem gesellschaftlichen Wandel, kann und wird dieses Konzept von Arbeit aller Erwartung nach keinen Bestand mehr haben. Der Mensch möchte durch Arbeit zum Mitgestalter seiner Welt werden.“

Hackl, Wagner et al. 2017. New Work – Auf dem Weg zur neuen Arbeitswelt – S. 107



Was genau ist denn jetzt New Work? Die 4-Tage-Woche? Homeoffice? Neue Führungskultur? Gar nichts davon oder etwa … alles davon? Teil zwei der Aussage ist richtig. New Work schlägt sich im Ergebnis in verschiedenen Facetten nieder, deswegen beginnen wir am Anfang:


Nach einer Reise in die damaligen Ostblockstaaten kam Sozialphilosoph Prof. Dr. Frithjof Bergmann zu der Auffassung, dass die bis dato aktuelle Arbeitskultur, dabei im Speziellen der Sozialismus, nicht weiter tragbar wäre. Ihn interessierte vor allem die Freiheit der Menschen und laut seinen Forschungen machte nichts die Menschen so unfrei wie die Lohnarbeit, beispielsweise am Fließband. Der Mensch ist hier nur ein Mittel zum Zweck, die Arbeit besteht aus repetitiven und größtenteils recht stumpfsinnigen Aufgaben.


Bergmann entwickelte daraufhin seine Theorie der neuen Arbeit, um diesem Konzept ein tragfähiges entgegenzusetzen. Laut seinen Überlegungen soll der Mensch kein Mittel zur Zweckerfüllung mehr sein, die Arbeit nicht gleichbedeutend mit „Abarbeiten“, sondern mit Sinnerfüllung. Der Mensch soll arbeiten, um die Welt um ihn herum zu formen und zu gestalten. New Work ist also im Prinzip eine Umkehr der Paradigmen, die seit der industriellen Revolution vorherrschend waren.


Der Begriff "New Work" bezieht sich also auf ein neues Verständnis von Arbeit in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung. Die zentralen Werte von New Work sind: #werteorientiertes Handeln, #Selbstverwirklichung und Teilhabe an der #Gemeinschaft. Zentrale Aspekte sind: Partizipation, Verantwortung, Selbstverwirklichung, werteorientiertes Handeln, Flexibilität und vor allem Sinnerleben (Purpose).


Wenn wir heute von New Work sprechen, dann sind damit vor allem die Auswirkungen gemeint, die die letzten zehn bis fünfzehn Jahre auf unsere Lebens- und Arbeitswelt hatten: Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel. Im Zusammenspiel entstehen so die Arbeitsweisen, die wir heute schnell mit dem Begriff assoziieren:


Agilität


Agiles Arbeiten löst straffe Organisation und Kontrolle ab. Teams arbeiten selbstorganisiert und eigenverantwortlich. Die Führungskraft befähigt sie dazu und entsprechende Strukturen werden geschaffen. Mehr Informationen rund um den Themenkomplex Agilität finden Sie auch hier: Blogbeiträge zum Thema Agilität.


Work-Life-Blending


Unser Arbeitsleben verschmilzt immer mehr mit unserem Privatleben. Eine klare Abgrenzung ist kaum noch möglich und auch nicht zielführend. Stattdessen müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter mit entsprechenden Gesundheits- und Fortbildungsangeboten auf diese neue Realität vorbereiten.


Nachhaltigkeit


Ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein Konzept, das mit New Work einhergeht. Wer remote arbeiten kann, schont die Umwelt schon allein dadurch, dass die Anreise zum Büro wegfällt. Während der Corona-Pandemie, die hier aber natürlich ein Extrem darstellte, hat sich die Luft- und Wasserqualität durch die verringerten Emissionen in relativ kurzer Zeit drastisch verbessert. Außerdem geht es bei New Work auch darum, die Arbeitszeit der Menschen effektiv zu nutzen. „Verordnete“ 40-Stunden-Wochen gehören nach diesem Ideal der Vergangenheit an.



Was ist New Work? Beispiele und Prinzipien.
Was ist New Work? Beispiele und Prinzipien.

Beispiele für New Work



Bei New Work sollen Menschen nicht einfach arbeiten, sondern eine neue Art des Lebens realisieren. Berufliche und private Selbstverwirklichung werden essenziell. Entwicklungen wie das Homeoffice oder remote zu arbeiten sind das Ergebnis dieses Ansatzes.

In der Praxis zeigt sich das neue Arbeiten an einer ganzen Reihe von Beispielen:


Flexible Arbeitszeiten und Desk Sharing


Das klassische 9-to-5-Modell hat ausgedient. Es lässt sich auch nur noch schwer umsetzen, wenn wir ehrlich sind. Denn während es schön ist, in Erinnerungen an definitive Feierabende zu schwelgen, haben heutzutage die meisten Menschen ihr E-Mail-Programm auf dem Handy, der Chef hat die Handynummer, Netzwerk-Veranstaltungen finden in den Abendstunden statt, virtuelle Fortbildungen ebenfalls. Das Resultat ist, dass wir sowieso außerhalb der Kernarbeitszeit tätig werden – und diese damit obsolet.

Die Mitarbeiter brauchen einen Ausgleich dazu; das Recht, während der Arbeitszeit auch private Termine wahrzunehmen, wenn die Welt die umgekehrte Situation ebenfalls verlangt. Darüber hinaus ist die Arbeit, die heutzutage immer gefragter wird, ein Job, der nicht am Fließband während bestimmter Business Hours verrichtet werden kann. Soft Skills und Kreativität, Problemlösungsfertigkeiten – all diese Assets gewinnen an Bedeutung und lassen sich nur schwer in einen starren Zeitrahmen pressen.

Das Desk Sharing geht teilweise damit einher. Große Unternehmen, wie zum Beispiel Microsoft, haben feste Schreibtische für ihre Mitarbeiter bereits abgeschafft. Stattdessen herrscht freie Platzwahl, um der neuen Flexibilität der Arbeitsstunden gerecht zu werden und den Austausch zwischen den Mitarbeitern, sogar teamübergreifend, zu fördern.


Coworking Spaces


Coworking Spaces geben Selbstständigen, Projektarbeitern oder Freelancern Raum und Möglichkeit, zusammenzukommen und zu arbeiten, obwohl sie nicht innerhalb eines Unternehmens organisiert sind. Insbesondere im Zuge der Globalisierung haben sich die Gemeinschaftsbüros etabliert, da Digital Nomads einen Ort haben, um professionell und ungestört (und mit gutem Internet) von überall auf der Welt arbeiten zu können.


Virtuelle Teams


Mitglieder eines virtuellen Teams arbeiten zwar an einem Projekt oder für einen Kunden, sind dabei aber über den ganzen Globus verteilt. Sie arbeiten orts- und zeitunabhängig zusammen, sind über Cloud-Services und digitale Tools verbunden und kennen sich oftmals nicht persönlich.

(Mehr zum Thema virtuelle Teams (führen) finden Sie in meinem Blogbeitrag.)




New Work im Unternehmen umsetzen



Meine Prognose ist, dass kein Unternehmen komplett an den New-Work-Prinzipien vorbeikommt, wenn es zukunftssicher bleiben oder werden möchte. Deswegen wird es Zeit, sich jetzt damit zu befassen. Als Agile Coach begleite und unterstütze ich Unternehmen bei ihrer Reise zur New Work. Dabei wird – ausgehend von einer individuellen Analyse und Zielplanung – auf fünf Ebenen der New-Work-Transformation gearbeitet. Iterativ, individuell, wirksam und nachhaltig.


Ebenen der New-Work-Transformation:


  • Individualität: Beteiligung der Mitarbeiter an der Strategieentwicklung; Leistungs- und Lernziele können selbst festgelegt werden; Selbstbestimmung: Teil der Arbeitszeit für kreative/eigene Projekte

  • Flexibilität: flexible Arbeitsorte/Homeoffice-Möglichkeiten; flexible Arbeitszeiten; Job Rotation (Wechsel der Arbeitsaufgabenstelle)

  • Führung: flexibler Wechsel zwischen Führungs- und Fachkarrieren; Führungskraft als Coach/Personalentwickler; moderne, demokratische Führungskultur

  • Agilität: schnelle Entscheidungsprozesse; weniger Hierarchiestufen

  • Neue Bürokonzepte: Creative Workspaces


Besonders wichtig ist dabei die bereits erwähnte Analyse. Nicht alle Aspekte der New Work können (sofort) in jedem Unternehmen umgesetzt werden, was vollkommen in Ordnung ist. Wichtig ist, sich mit den Möglichkeiten zu beschäftigen. Außerdem warten auf diesem Weg, wie auf den meisten, einige potenzielle Stolpersteine, denen Sie sich bewusst sein sollten. Denn New Work ist kein singuläres Heilsversprechen, sondern für Führungskräfte und Mitarbeiter auch gleichermaßen eine Herausforderung.


 

Hier können Sie ein "New Work Canvas" downloaden und einen kurzer Selbstcheck zum Thema New Work machen:



New Work und Führung



Der Wandel, den New Work gebracht hat und weiterhin verursachen wird, ist absolut umfassend. Denn New Work setzt bei der DNA an. Nicht nur bei der Frage, was wir arbeiten, nicht einmal erst beim Wie, sondern bereits beim Warum. Mitarbeiter suchen nach einer Arbeit, in der sie sinnstiftend agieren können und nach einer Arbeitsatmosphäre, die weit über Lippenbekenntnisse hinausgeht. Unternehmen, die das nicht bieten können, bekommen die Konsequenzen bereits heftig zu spüren: Akuter Personalmangel; Mitarbeiterinnen, die gut ausgebildet zur Konkurrenz abwandern; Unzufriedenheit, die schneller denn je in Kündigung mündet. Davon kann man halten, was man will, wahr bleibt es trotzdem.


Wie können Sie als Führungskraft aktiv eingreifen und die Prinzipien der New Work als Leitfigur in Ihrem Unternehmen vorantreiben?



Kollaborative Führung


Die Hierarchien in Unternehmen werden zunehmend flacher oder verschwinden sogar ganz. Umso wichtiger wird ein kollaborativer Führungsstil, bei dem die Führungskraft sich als Coach versteht. Hier gibt es verschiedene neue Rollen auszufüllen, die mit „Top-Down“ nicht mehr viel zu tun haben. Als „Provider“ ist es Aufgabe der Führung, die Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen, die das Team in jeder Phase eines Projektes benötigt; als „Communicator“ werden Informationen und Hilfestellungen angeboten, die jedes Individuum des Teams gezielt weiterbringen. Führung verlagert sich hier also endgültig auf die Augenhöhe.


Abgeben von Verantwortung


Nur, wenn ein gewisses Maß an Verantwortung von der Führungskraft abgegeben und von den Mitarbeitern angenommen wird, ist sinnhaftes Arbeiten für jeden Einzelnen überhaupt möglich. Aufgabe der Führungskraft ist es hier, Strukturen und Workflows zu entwickeln, die diese Verantwortungsübernahme durch Mitarbeiter ermöglichen. Hier wird „Enabler“ zur neuen Rolle der Führungskraft.


Change-Kompetenz der Führungskraft

Wer den Wandel vorantreiben will, benötigt selbst das Toolkit dafür. Denn: Wandel tut auch weh. Er ist nicht immer leicht und er geht häufig schief. Insbesondere als Führungskraft benötigen Sie ein „Change-Mindset“. Es genügt nicht, die Veränderung nur zu begleiten oder zu initiieren. Sie benötigen eine Einstellung, die Veränderung als kontinuierliche Chance begreift und diese Sichtweise lebt. Denn nach New Work ist ein Unternehmen nie „fertig“, sondern in der ständigen Weiterentwicklung.



Fazit


New Work ist kein Buzzword und kein vorübergehender Trend, sondern eine fundamentale Veränderung der Art und Weise, wie wir arbeiten (wollen) und wie Unternehmen organisiert sind und funktionieren. Vorangetrieben durch Megatrends wie Globalisierung und Digitalisierung müssen Unternehmen und Führungskräfte sich jetzt mit den Prinzipien und Werten auseinandersetzen, die die Neue Arbeit mit sich bringt.


Ein Beispiel aus dem Jahr 2022 bringt sowohl auf den Punkt, worauf es dabei ankommt, als auch, wie New Work missverstanden werden kann. In Belgien will man zur 4-Tage-Woche übergehen. Der belgische Premier Alexander De Croo hat die 4-Tage-Woche für seine Bürgerinnen und Bürger angekündigt. Doch ein Blick hinter die Schlagzeile offenbart, dass New Work hier komplett fehlinterpretiert und ad absurdum geführt wurde. Dieselbe Arbeit in derselben Stundenanzahl in vier statt fünf Tagen hat nichts mit New Work zu tun, sondern schlicht mit purem Kapitalismus.

Deutschlands New-Work-Pionier und Flagship Lasse Rheingans formulierte in seinem LinkedIn Beitrag zum Thema sehr klar:

"10-Stunden-Tage helfen weder den Mitarbeitenden noch den Unternehmen. Denn die Natur der Arbeit ist lange nicht mehr so stumpf und repetitiv wie damals, als ein 8-Stunden-Tag eingeführt wurde, sondern eben von individueller Konzentrations- und Leistungsfähigkeit abhängig. … Darüber hinaus sprechen sich nahezu alle relevanten Studien aus den verschiedensten Disziplinen in der heutigen Zeit gegen solch lange Tage aus."



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Als Agile Coach unterstütze ich Führungskräfte und Unternehmen bei der Etablierung einer New Work Arbeitskultur. Gern berate ich Sie persönlich und unverbindlich in einem Erstgespräch. Kontaktieren Sie mich gern HIER.


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