Entscheidungen treffen in der VUKA-Welt
- Sabine Hahn
- 25. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Wie Du als Führungskraft un der Unsicherheit navigierst
Du stehst morgens auf und noch bevor du den ersten Kaffee getrunken hast, hast du wahrscheinlich schon die ersten fünf Entscheidungen getroffen. Als Führungskraft setzt sich das den restlichen Tag fort – im Sekundentakt. Studien deuten darauf hin, dass wir täglich bis zu 20.000 Entscheidungen treffen. Viele davon sind Routine, doch die strategisch relevanten werden in unserer heutigen Arbeitswelt immer komplexer, schneller und folgenschwerer.
In einer Welt, die wir als VUKA (volatil, unsicher, komplex, ambivalent) beschreiben, funktioniert das alte Management-Credo „Erst alle Daten sammeln, dann entscheiden“ nicht mehr. Bis alle Daten vorliegen, hat sich der Markt bereits weitergedreht.
In diesem Beitrag erfährst du, wie du deinen „Entscheidungsmuskel“ trainierst, warum uns das Wählen oft so schwerfällt und mit welchen Tools du auch bei dünner Datenlage souverän bleibst.
In diesem Beitrag erfährst du:
Was ist eigentlich eine Entscheidung – und welche Arten gibt es?
Das Wort „entscheiden“ stammt etymologisch vom mittelhochdeutschen entscheiden ab, was so viel wie „trennen“ oder „absondern“ bedeutet. Im Englischen ist es noch deutlicher: Decision leitet sich vom lateinischen incidere (abschneiden) ab.
Entscheiden heißt immer auch Verzichten. Wenn du dich für einen Weg entscheidest, schneidest du gleichzeitig alle anderen Optionen ab. Genau hier liegt für viele der Ursprung des Unbehagens. Doch nicht jede Entscheidung ist gleich. Um handlungsfähig zu bleiben, müssen wir die Natur der Fragestellung verstehen. Wir unterscheiden dabei vor allem drei Dimensionen:
Die Einteilung nach Komplexität (Anlehnung an Cynefin)
In meinem Beitrag zu Agilen Methoden bin ich bereits auf den Cynefin Framework und die Unterscheidung zwischen komplizierten und komplexen Systemen eingegangen. Kurz gefasst:
Komplizierte Entscheidungen: Hier gibt es ein "Richtig". Experten und Daten liefern die Lösung (z.B. eine Budgetplanung).
Komplexe Entscheidungen: Hier gibt es kein klares Ursache-Wirkungs-Prinzip. Wir müssen experimentieren und die Resonanz abwarten (z.B. Team-Dynamiken oder Markteinführungen).
Die Einteilung nach der Tragweite
Operative Entscheidungen: Routineentscheidungen mit geringem Risiko (z.B. Urlaubsfreigaben).
Strategische Entscheidungen: Weichenstellungen mit langfristiger Wirkung und oft hoher Investition (z.B.Standortwahl oder Portfolio-Änderungen).
Die Einteilung nach der Entscheidungslogik
Rationale Entscheidungen: Basieren auf Fakten, Zahlen und logischen Ableitungen (System 2 nach Daniel Kahneman).
Intuitive Entscheidungen: Basieren auf unbewusstem Erfahrungswissen und den „somatischen Markern“ (Bauchgefühl) nach António Damasio.

Warum Entscheidungen treffen so schwerfällt
Hinter der scheinbaren Unentschlossenheit vieler Führungskräfte steckt selten ein Mangel an Kompetenz, sondern meist eine tiefgreifende psychologische Überforderung durch die moderne Arbeitswelt. Ein zentrales Phänomen ist die sogenannte Analysis Paralysis. In dem Versuch, jedes Risiko auszuschließen, fordern wir immer mehr Daten an. Doch in komplexen Systemen führen mehr Informationen oft nicht zu mehr Klarheit, sondern zu paradoxer Verwirrung. Wir ersticken im Rauschen der Daten und verlieren den Blick für das Wesentliche.
Hinzu kommt die Decision Fatigue, die Entscheidungsmüdigkeit. Unsere kognitive Kapazität ist wie ein Akku, der sich über den Tag entlädt. Wer vormittags hunderte Kleinstentscheidungen trifft, verfügt am Nachmittag schlichtweg nicht mehr über die psychische Energie, um mutige, strategische Wege einzuschlagen. Oft mündet dies in einem „Safety-First“-Verhalten: Aus Angst vor dem Irrtum und den damit verbundenen Konsequenzen in einer hochtransparenten Unternehmenskultur wählen wir den sichersten, aber meist auch den am wenigsten innovativen Weg. Dieser enorme Verantwortungsdruck kann zu einer Verengung der Perspektive führen, bei der wir nur noch reagieren, statt aktiv zu gestalten.
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Methoden-Koffer: Praktische Tools für komplexe Situationen
Um den Teufelskreis aus Grübeln und Aufschieben zu durchbrechen, brauchen wir Strukturen, die uns aus dem rein kognitiven Kreisen herausholen. Hier sind vier bewährte Werkzeuge, die dir helfen, Komplexität zu reduzieren und mutiger zu wählen:
Die 10-10-10 Methode für emotionale Distanz: Oft sind wir so nah an einem Problem, dass die kurzfristigen Ängste (Was denken die anderen? Was, wenn es schiefgeht?) alle anderen Fakten überlagern. Die 10-10-10 Methode zwingt dich zur zeitlichen Perspektivübernahme. Frage dich konsequent: Wie werde ich über diese Entscheidung in 10 Minuten denken? Wie in 10 Monaten? Und wie in 10 Jahren? Meistens stellt man fest, dass die langfristige Relevanz einer Fehlentscheidung weit geringer ist als die kurzfristige Angst davor – das macht den Weg frei für mutige Weichenstellungen.
Der Pre-Mortem Check: Die Antizipation des Scheiterns: Während das klassische "Post-Mortem" analysiert, warum etwas schiefgelaufen ist, blickt der Pre-Mortem Check in die Zukunft. Stell dir vor, wir schreiben das Jahr 2026 und dein aktuelles Projekt ist krachend gescheitert. Was genau ist passiert? Wer war beteiligt? Welche Warnsignale haben wir ignoriert? Diese Methode nutzt das psychologische Phänomen der „retrospektiven Vorausschau“. Sie macht blinde Flecken und Risiken sichtbar, ohne die Aufbruchstimmung im Team durch plumpen Pessimismus zu bremsen.
Delegation Poker: Entlastung durch Klarheit: Eine der Hauptursachen für Entscheidungsmüdigkeit ist das Gefühl, alles selbst entscheiden zu müssen. Mit Delegation Poker klärst du spielerisch, wer für welche Entscheidung verantwortlich ist. Es gibt sieben Stufen – von „Verkünden“ (ich entscheide allein) bis „Delegieren“ (das Team entscheidet allein). Indem du Verantwortlichkeiten bewusst überträgst, stärkst du nicht nur die Selbstwirksamkeit deines Teams, sondern schaffst dir selbst den nötigen mentalen Freiraum für die wirklich strategischen Themen.
Der Intuitions-Check mit dem Münzwurf: In VUKA-Welten stehen Fakten oft 50/50. Hier kommt unsere Intuition ins Spiel, die oft schneller arbeitet als unser Verstand. Wirf eine Münze für Option A oder B. Aber – und das ist entscheidend – handle nicht blind nach dem Ergebnis. Achte stattdessen auf deine unmittelbare emotionale Reaktion, während die Münze noch in der Luft ist oder gerade gelandet ist. Spürst du Erleichterung oder Enttäuschung? Dieser kurze Moment macht deine „somatischen Marker“ (dein Bauchgefühl) bewusst und zeigt dir, welche Option dein inneres Erfahrungswissen eigentlich bevorzugt.
Praxisbeispiel: Strategie-Check im Coaching
Kürzlich arbeitete ich mit einer Führungskraft zusammen, die vor einer massiven Umstrukturierung ihres Bereichs stand. Die Daten sprachen für Option A, ihr Bauchgefühl schrie nach Option B. Die Angst, vor dem Vorstand „unlogisch“ zu wirken, lähmte sie seit Wochen.
Im Coaching nutzten wir eine systemische Simulation, um die Optionen im Raum zu visualisieren. Dabei wurde schnell klar: Option A war rein logisch zwar vertretbar, ignorierte aber die kulturellen Widerstände im Team vollständig. Durch das „Probehandeln“ der Optionen im geschützten Raum gewann sie die Sicherheit, die menschlich und systemisch klügere Entscheidung zu treffen und diese vor dem Vorstand selbstbewusst zu begründen.
Fazit: Wie Coaching deine Entscheidungskompetenz stärkt
Entscheidungsstärke ist kein angeborenes Talent, sondern ein Muskel, den man trainieren kann. Als Coach helfe ich dir nicht dabei, die „eine richtige“ Entscheidung zu finden – denn die gibt es in der VUKA-Welt oft gar nicht.
Meine Unterstützung zielt darauf ab, deine Ambiguitätstoleranz zu erhöhen, also die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Wir schärfen deine Intuition, damit sie zu einer verlässlichen Ressource wird, und schaffen einen Raum, in dem du Szenarien durchspielen kannst, bevor sie „echtes Geld“ kosten. So wirst du vom Experten, der alles wissen muss, zum Navigator, der auch im Nebel sicher den Kurs hält.
Bist du bereit, deine Entscheidungen mit mehr Leichtigkeit zu treffen? [Kontaktiere mich jetzt für ein vertrauliches Erstgespräch]
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